Wie schwierig ist es, als afrikanischer Forscher*in unter einem hegemonialen westlichen Wissenssystem zu arbeiten, das als universal verstanden wird? Die Produktion von Wissen über Afrika war in der Vergangenheit dominiert von Wissenschaftler*innen und Institutionen aus dem Globalen Norden – was ein ungleiches Kräfteverhältnis widerspiegelt. Doch seit einiger Zeit hallen Rufe nach der Entkolonialisierung von Wissen und der Anerkennung und Legitimierung anderer Wissenssysteme durch die Korridore akademischer Institutionen in der ganzen Welt.

DAAD-Alumni aus Ostafrika, Ägypten und dem Sudan haben sich dieser aktuellen und dringenden Diskussion angeschlossen. Am 8. und 9. Juni 2022 versammelten sie sich zur virtuellen Konferenz „Wissen entkolonialisieren – eine afrikanische Identität hervorheben“, organisiert von den DAAD-Außenstellen Nairobi und Kairo im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe CAIROBI TALKS, einer Serie akademischer Engagements, die Brücken zu schlagen versuchen zwischen DAAD-Alumni aus den Ländern entlang des Nils. 30 bis 40 Teilnehmer*innen an beiden Tagen, sowohl DAAD-Alumni als auch andere Interessierte, folgten, kommentierten und diskutierten die Themen, die von den ostafrikanischen und ägyptischen Alumni präsentiert wurden.

Die Konferenz nahm ihren Auftakt mit zwei programmatischen Reden: Hanan Badr aus Ägypten, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg in Österreich, stellte ihre Forschung zu „Kommunikationswissenschaft entkolonialisieren: Hin zu inklusiver Wissensproduktion“ vor. Sie sprach sich darin für einen Ausbau vergleichender globaler Studien sowie von Süd-Süd-Kooperationen und für neue Wege des Wissens aus. Ihrer Rede folgte der Beitrag des ugandischen Wissenschaftlers Edward Kaweesi, der am traditionsreichen Fachbereich für Politikwissenschaft und Verwaltungslehre der Makerere-Universität in Kampala tätig ist. Er sprach über „Hybridität als Entkolonialisierung: Afrikas Wissenssysteme als Brücken.“ Afrikaner*innen hätten gegenüber anderen Wissenssystemen den Vorteil eines vierfachen Erbes, so Kaweesi: Afrika als diverser und heterogener Kontinent an sich, der zusätzlich verschiedenen externen Einflüssen aus anderen Teilen der Welt ausgesetzt war.

Zu den anderen von DAAD-Alumni angestoßenen Themen gehören etwa die finanziellen Konsequenzen für die Anwohner*innen, die das Ende destruktiver Fischfangmethoden an der Küste Tansanias mit sich bringen würden (Robert Katikiro, Tansania), Ethnomathematik als Weg zur Entkolonialisierung (Lilian Oluoch, Kenia), das Aufspüren der Informalität, Ungleichheit und Bürgerschaft, welche Kairos urbane Wasserversorgung bestimmt (Noura Wahby, Ägypten), sowie der Aktionsaufruf an Afrika, neurogenetische Forschung zu diversifizieren (Mohamed Salama, Ägypten).