Auslandspraktikum

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren?  Ein Auslandspraktikum hat mehrere Vorteile: Es macht Sie fit für die internationale Arbeitswelt, hilft Ihnen, lebenslange Kontakte und Netzwerke zu knüpfen, und macht Sie mit der Kultur und dem Leben in einem anderen Land vertraut. Im Ausland erhalten Sie auch einmalige Blicke über das Land.

Der DAAD fördert verschiedene Praktikantenprogramme: Es gibt das Carlo-Schmid-Programm für Praktika in Internationalen Organisationen und EU-Institutionen, Stipendien für kurze, praxisbezogene Auslandsaufenthalte; Lehramt.International: Auslandspraktika für Lehramtsstudierende und Lehramtsabsolventen, IAESTE – Internationaler Praktikantenaustausch in den Fachbereichen Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Land- und Forstwirtschaft, Kulturweit Freiwilligndienst der UNESCO Kommission,

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Sophie Göckel und Amina Ahmed sind Praktikanten, die sich derzeit in Kenia bzw. Ruanda aufhalten.  Sophie ist seit März 2022 Praktikantin im DAAD geförderten  Programm „Lehramt International“ an der Deutschen Schule Nairobi, und Amina ist als Freiwillige von Kulturweit (Deutsche UNESCO-Kommission) an der PASCH Schule Green Hills Academy in Kigali eingesetzt.

Sie berichten über Ihre Erfahrungen:

Bitte stellen Sie sich vor:

Sophie Göckel:

Mein Name ist Sophie Göckel und ich bin eine 25-jährige Lehramtsstudentin an der Philipps-Universität Marburg mit dem Erweiterungsfach Erdkunde. Zuvor habe ich im Frühjahr 2021 meine Erste Staatsprüfung in den Fächern Biologie und Ethik absolviert. Gerade mache ich mit meinem Erweiterungsfach Erdkunde ein Praktikum an der Deutschen Schule Nairobi (DSN) und bin Stipendiatin  im Programm Lehramt.International des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Amina Ahmed:

Mein Name ist Amina Ahmed, ich bin 24 Jahre alt und habe vor kurzem meinen Bachelor in Geschichte und Judaistik an der Freien Universität in Berlin abgeschlossen. Ich wollte gerne zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium etwas Praktisches machen und habe mich für einen Freiwilligendienst bei kulturweit beworben.

An Sophie Göckel: Warum Kenia? Wieso haben Sie sich entschieden, Ihr Praktikum in Kenia zu machen? 

Bereits während meiner Schulzeit verbrachte ich ein Schuljahr in Kapstadt, Südafrika und hatte dadurch sehr früh die Möglichkeit, fremde Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Die Erfahrungen, die ich damals – und vor kurzem in meinem Erasmussemester in Perpignan, Frankreich – sammeln durfte, haben meine Einstellungen maßgeblich beeinflusst und meinen Horizont sehr erweitert. Meiner Meinung nach beinhaltet der Beruf von Lehrer/innen ebenso interkulturelle Kompetenzen. Durch meine Zeit in Südafrika und Besuche im Anschluss wuchs mein Interesse daran, den afrikanischen Kontinent besser kennenzulernen. Hinzu kam, dass ich mich in meiner Examensarbeit mit der DSN und ihrem Sprachkonzept für den Fachunterricht beschäftigte, sodass ich die Schule schon ein wenig kennenlernen durfte.

An Amina Ahmed: Warum Ruanda? Wieso haben Sie sich entschieden, Ihr Praktikum in Ruanda zu machen?

Ruanda ist eins der sichersten Länder und schön dazu. Als ich das Angebot für Ruanda erhalten habe, habe ich schnell zugesagt, weil es sich richtig angefühlt hat. Zudem wollte ich während meines Freiwilligendienstes etwas Neues ausprobieren, weshalb ich mich für den Einsatz an einer Schule beworben hatte.

Wie waren die ersten Tage und wie haben Sie den kulturellen Unterschied erlebt?

Sophie Göckel

Die ersten Tage waren aufregend und voller neuer Erfahrungen: Ankommen und Einleben in die Schule, das Schulleben und die Schulgemeinschaft. Das Zurechtfinden und Erkunden von meinem neuen Wohnort und Nairobi. Ich hatte direkt die Gelegenheit ein bisschen das Land zu erkunden und an die Küste nördlich von Mombasa zu fahren sowie die Klassenfahrt auf den Mt. Kenya zu begleiten. So konnte ich viele sehr unterschiedliche Eindrücke vom Land sammeln. Ich nehme Kenia als ein kulturell so vielfältiges Land wahr, sodass es mir schwer fällt, kulturelle Unterschiede per se zu differenzieren. Im Gegensatz zu Deutschland merke ich, wie auch hier alles gelassener und nach afrikanischer Zeit abläuft. So lernt man, flexibler zu sein und selbst die Dinge gelassener zu sehen.

Amina Ahmed:

Ich war sehr überrascht, wie grün Kigali ist und insbesondere, wie sauber alles ist. Ich habe noch nie in einem Land auf dem afrikanischen Kontinent gelebt, deshalb war für mich alles ziemlich neu. Ich habe insbesondere den kulturellen Unterschied durch meine privilegierte Stellung erlebt. Die meisten Menschen haben hier sehr wenig, ich werde mir durch den Kontakt mit ihnen meiner Privilegien immer mehr bewusst.

Was bedeutet das Praktikum für Sie? Welchen Mehrwert sehen Sie und nehmen Sie mit?

Sophie Göckel

Ein Auslandspraktikum fördert Perspektivwechsel und Multiperspektivität. Kulturelle Einflüsse verändern den Blick auf die Welt und damit den Blick auf die Lerngegenstände sowie auf die Begegnung mit anderen Menschen. Diese Kompetenzen helfen mir, Vorurteile abzubauen und andere Aspekte – bspw. der Herausforderung der Mehrsprachigkeit – einzubeziehen. Es stellt sich ja immer die Frage: Wie öffne ich Zugänge für Lernende, um sich Wissen zu erschließen und erfahrbar zu machen?

Ich freue mich, nach der theoretischen Auseinandersetzung mit sprachsensiblem Fachunterricht nun weitere Erkenntnisse dahingehend praktisch sammeln zu können. Die sprachlichen Herausforderungen für die Schüler/innen im Fachunterricht spielen nicht nur im Deutschen Auslandsschulwesen sondern generell im deutschen Bildungssystem eine wichtige Rolle und werden im Studium kaum aufgegriffen.

Das Lernen von anderen Lehrer:innen unterstützt mich dabei, meine Lehrer/innenpersönlichkeit zu festigen. Ich kann mich hier austauschen, ausprobieren, gemeinsam mit meinen Mentor/innen reflektieren und die Vielfalt und Möglichkeiten der DSN nutzen, wie es nur in einem Praktikum möglich ist.

Langfristig kann ich mir vorstellen, in den deutschen Auslandsschuldienst zu gehen und Teil eines internationalen Netzwerkes zu werden, um das Leitbild einer Deutschen Auslandsschule des interkulturellen Dialogs voranzutreiben.

Amina Ahmed:

Das Praktikum bietet mir große Abwechslung, insbesondere durch die Tätigkeit, die sich stark von meinen früheren Tätigkeiten im Studium und Studentenjobs unterscheidet. Während ich früher überwiegend Recherchetätigkeiten übernommen habe oder Texte für Social Media oder die Webseite geschrieben habe, arbeite ich nun viel enger mit den Menschen (in diesem Fall den SchülerInnen) zusammen. Mein Arbeitsschwerpunkt hat sich von dem Computer zu den Menschen verlagert, was ich sehr schön finde.

Außerdem bietet mir die Arbeit mit jungen Menschen ganz andere Einblicke in die ruandische Kultur und Gesellschaft, die mit vielen Hoffnungen für die Zukunft verbunden sind und versuchen die Traumata der Eltern und Großeltern während des Genozids aufzuarbeiten.

An Sophie Göckel: Wie sieht konkret Ihr Schulalltag in Kenia aus? Was ist anders als in Deutschland?

Anfangs habe ich in meinen Fächern viel hospitiert und mir Beobachtungsschwerpunkte gelegt. Zwischen den Stunden verbringe ich Zeit im Lehrer/innenzimmer und tausche mich mit Kolleg/innen aus – über den Unterricht und über den Schulalltag. Als Praktikantin übernehmen wir die Lunchaufsicht und können im Gegenzug in der Cafeteria zu Mittag essen. Seit einiger Zeit übernehme ich selbst den Unterricht und kann mich im Unterrichten ausprobieren, sodass ich immer mehr Zeit mit Unterrichtsvorbereitung verbringe. Zwei Dinge sind wesentlich anders als in Deutschland: Zum einen sind hier die sprachlichen Unterschiede in einer Klasse sehr unterschiedlich. Dies muss in der Unterrichtsplanung – auch im Fachunterricht – immer mitbedacht werden. Und zum anderen sind die Klassen hier wesentlich kleiner.

An Amina Ahmed: Wie sieht konkret Ihr Schulalltag in Ruanda aus? Was ist anders als in Deutschland?

Die Schule fängt hier bereits um 7:00 Uhr an und die SchülerInnen haben meist Unterricht mit ihrem Klassenlehrer, wo sie Probleme klären, Reflexionseinheiten durchführen und Zeit haben in den Tag anzukommen. In dieser Stunde wird auch die Hymne gespielt und alle stehen mit gesenkten Häuptern, bis diese verklungen ist. Danach fängt der eigentliche Unterricht an. Ich bin überwiegend in der Oberstufe eingesetzt und unterstütze den Deutschlehrer. Zu meinen typischen Aufgaben gehört es Landeskundeeinheiten vorzubereiten, Arbeitsblätter zu erstellen und insbesondere mit den SchülerInnen Deutsch sprechen zu üben.

Der größte Unterschied zu Deutschland ist, dass der Großteil des Unterrichts nur noch digital stattfindet. Die Schülerschaft erledigt alle Aufgaben auf ihren Chromebooks und reichen diese in ihren Google Classrooms ein. Handschriftlich wird kaum noch etwas gemacht und sie besitzen auch kaum Bücher. Das war zunächst erschreckend für mich und macht auch teilweise den Deutschunterricht schwieriger, da man alles mit Google übersetzen lassen kann. Deswegen müssen wir viel mehr darauf achten, dass die SchülerInnen versuchen eigenstädig die Sprache zu durchdringen.

An Sophie Göckel: Sie haben sich erfolgreich beim DAAD im Programm „Lehramt. International“ beworben, können Sie etwas zum Bewerbungsverfahren und zur Förderung durch den DAAD sagen? Gibt es etwas, was Sie noch mitteilen wollen? Zu Land und Leute?

Für das Lehramt.International Stipendium werden verschiedene Bewerbungsunterlagen benötigt sowie ein Motivationsschreiben, für das man sich Zeit nehmen sollte. Es werden Fragen vorgegeben, an denen man sich orientieren kann. Ich hatte mich im Vorfeld viel über die Praktikumsschule informiert, mir genau überlegt, was ich in meinem Praktikum lernen möchte und welche Relevanz es in meiner beruflichen Zukunft haben könnte. Generell ermutige ich alle Lehramtsstudierende, die sich überlegen ins Ausland zu gehen, dies zu machen. Man sammelt wunderbare Erfahrungen, lernt gleichzeitig noch ein anderes Land und andere Kulturen kennen und meistert neue Herausforderungen.

An Amina Ahmed: Sie haben sich erfolgreich bei Kulturweit beworben, können Sie etwas zum Bewerbungsverfahren? Gibt es etwas, was Sie noch mitteilen wollen? Zu Land und Leute?

Für die Bewerbung bei kulturweit muss man viel Flexibilität mitbringen, da man Präferenzen für größere Regionen angibt und keine länderspezifischen Angaben machen kann. Die Bewerbung läuft über eine Bewerbungsmaske, wo man alle Angaben macht und die Dokumente hochlädt. In der Bewerbung beantwortet man auch mehrere Fragen, die die Motivation erläutern sollen. Es ist sinnvoll sich genug Zeit dafür einzuplanen, da es mehrere Stunden an Arbeit ist. Außerdem muss man sich bereits ein Jahr vor der Ausreise bewerben.

Danach sichtet kulturweit die Unterlagen und prüft zunächst, ob diese vollständig und korrekt sind. Anschließend wird die Bewerbung an eine der Partnerorganisationen (DAAD, PASCH-Schulen, Goethe-Institut, Deutsche Welle, UNESCO-Kommissionen) in eine der angegeben Regionen weitergereicht und diese entscheiden aus dem BewerberInnen-Pool, wen sie zum Bewerbungsgespräch einladen.

Dann erhält man ein Angebot für ein Gespräch mit der Einsatzstelle und Land. Man hat die Option das Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

Was machen Sie nach dem Praktikum, was sind Ihre Zukunftspläne?

Sophie Göckel:  Nach dem Praktikum werde ich in Erdkunde mein Studium abschließen und dann voraussichtlich im Herbst 2022 in Hessen ins Referendariat gehen. Auf diese Zeit und auf den vollen Berufseinstieg freue ich mich sehr und mal schauen, ob es danach – vielleicht – für mich nochmal als voll ausgebildete Lehrerin an eine Deutsche Auslandsschule gehen wird.

Amina Ahmed: Ich werde ab August meinen Master in „International Governance and Diplomacy“ an die Science Po in Paris beginnen. Es ist schön, dass ich durch meinen Freiwilligendienst zufällig in einem frankophonen Land gelandet bin und mich bereits hier auf die Sprache vorbereiten kann.

Mit dem Master hoffe ich den Einstieg in die internationale Arbeit zu schaffen und meine Erfahrungen, unter anderem auch die aus Ruanda, für mehr interkulturelles Verständnis zu nutzen.

Wir danken für das Gespräch und die Einblicke und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.